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Geschichte
Einer der reizvollen Stadtteile, das sogenannte Kreuzviertel, liegt nördlich der Altstadt Münsters, nur durch den Promenadenring vom Zentrum getrennt. Diese rasch vom Volksmund in Umlauf gebrachte Bezeichnung ist vermutlich in Anlehnung an eine traditionelle Kreuzprozession entstanden, die durch das nördliche Tor der Altstadt führte und bis in die Wiedertäuferzeit Brauch war.
Straßenbezeichnungen im Norden der Stadt und im Bereich der alten Festung, die das Wort
"Kreuz" enthalten, weisen auf diese Prozession hin: die Kreuzschanze, das Kreuztor und die Kreuzstraße.
Als öffentliches Gebäude erhielt die Kreuzschule um Jahrhundertwende ihren Namen.
Das Kreuzviertel liegt in der ehemaligen Bauernschaft Uppenberg, nach der es ursprünglich benannt war.
Begrenzt wird das Gebiet durch Grevener Straße im Westen, den Friesenring und den Cheruskerring im Norden,
die Kanalstraße im Osten und die Promenade im Süden. 1875 wurde das heutige Kreuzviertel in die Stadt
Münster eingemeindet. 1892 wurde ein Bebauungsplan für das Nord- und Kreuzviertel erstellt, mit dem die
Stadterweiterungsgebiete außerhalb der Promenade planmäßig angelegt werden sollten.
Auffälligstes Relikt der mittelalterlichen Stadtbefestigung Münsters ist der wuchtige
Buddenturm. Er ist der einzig erhaltene von einst sieben Wehrtürmen der Stadtmauer des mittleren
12. Jahrhunderts. Die Entfestigung der Stadt konnte er unbeschadet überstehen, weil er jahrhundertelang
verschiedene Funktionen erfüllte: Als die Stadtmauer 1764/67 fiel, diente er als Pulvermagazin, später
war in ihm ein Gefängnis untergebracht. 1879 erwarb ihn die Stadt, stockte ihn auf und baute ihn zum Wasserturm um.
Erst nach 1945 wurde diese Nutzung endgültig aufgegeben, der romantisierende Zinnenkranz der Aufstockung abgetragen
und das alte Kegeldach wieder aufgesetzt. Die fragmentarischen Maueransätze an den Seiten des Turmes geben den Eindruck
von den Dimensionen des zugehörigen, hochmittelalterlichen Stadtmauerrings.
Die Kreuzschanze läßt in dem Dreieckgrundriss und bewegtem Bodenrelief heute noch die Reste einer ehemaligen
Bastion erkennen. Ihr stadtgeschichtlicher Wert ist bedeutend: Bereits im Mittelalter hat hier ein Stadttor bestanden, das 1534 von den
Wiedertäufern zusätzlich befestigt wurde. Trotzdem gelang in der Johannisnacht 1535 den bischöflichen Truppen von dieser
Stelle aus die Rückeroberung der Stadt. 1648 wurde das Gelände zur Schanze ausgebaut in den Ausmnaßen, die heute noch bestehen.
Nach der Niederlegung aller städtischen Befestigungswerke wurden hier durch Grabung 1898 die von den bilderfeindlichen Wiedertäufern als
Füllmaterial verwendeten Monumentalskulpturen des 14. bis 16. Jahrhunderts wiederentdeckt, die heute zum kostbarsten Besitz des hiesigen Landesmuseums zählen.
1899 erhielt die Kreuzschanze jene gärtnerische Ausgestaltung, die mit Teichanlagen, üppigem Baumbestand und kleinmaschigem Wegenetz bis heute ihr Bild prägt.
Mehr zur Geschichte des Kreuzviertels finden Sie in dem Buch von Jutta Balster: Das Kreuzviertel in Münster. Bilder aus seiner Geschichte. Aschendorf-Verlag, 1991.
Hausgeschichten
Hier erfahren Sie mehr über die einzelnen kunstgeschichtlich wertvollen Bauten im Kreuzviertel.
Villa Terfloth
Zur Erschließung der Erweiterungsgebiete wurden neben den alten Ausfallstraßen zusätzliche
Straßendurchbrüche durch die Promenade geschaffen. 1898/99 entstand die Straße Am Kreuztor.
Von der in der Folgezeit sich ansiedelnden Bebauung existiert als ältester Repräsentant noch die
Villa Terfloth von etwa 1905. Sie steht, nach großen Kriegsverlusten, heute beispielhaft für jenes
großbürgerliche Wohnquartier, das sich außerhalb der eng gewordenen Altstadt entlang der Promenade
auf weitläufigen Grundstücken ausbildete. Im historischen Stil der Jahrhundertwende ist der wuchtige
Baukörper mit den Werksteinquadern, rundbogigen Maueröffnungen und dem Erker ganz burgenhaft-neoromanisch
aufgefasst. Den besonderen architektonischen Akzent setzt der massige, runde Eckturm in Korrespondenz zum Buddenturm
und als Erinnerung an die einst hier verlaufende Stadtbefestigung.
Kampstraße 2
Abseits der Promenade begegnet man im Kreuzviertel völlig anderen Beispielen gründerzeitlichen Bauens.
Eines der schönsten Exemplare steht im Einmündungsbereich Kampstraße / Rudolf-von-Langen-Straße.
Das stattliche Eckhaus von 1906 zeigt an seinen beiden Fassaden und dem markanten Erker figürliche und ornamentale
Stuckverzierungen, die in qualitativer Hinsicht in Münster ihresgleichen suchen. Verglichen mit der gleichzeitigen
Villa Terfloth zeigt sich dieser Bau auch stilistisch auf der Höhe seiner Zeit.
Rudolf-von-Langen-Straße 34
Durch seinen kleineren Maßstab fällt der zweigeschossige Bau im Straßenbild auf -
er ist einer der letzten Vertreter der Kreuzviertel-Bebauung aus der Zeit vor der planmäßigen
Besiedlung. Gegen 1875 entstand dieses Mietswohnhaus in schlichtem Spätklassizismus mit axialer
Fassadengliederung und zurückhaltendem Formenrepertoire. Erst 1906, nach dem Verkauf des Hauses an einen
Steinmetzen, wurde der charketristische Zwerchgiebel der Fassade hinzugefügt, dessen Giebelstaffeln der
Eigentümer selbst mit den Symboltieren Eule (Weisheit), Katze (Schläue) und Hund (Wachsamkeit) verzierte.
Durch eine vorbildliche Restaurierung 1985/86 konnte dieses siedlungsgeschichtlich so bedeutende Denkmal vor dem Verfall gerettet werden.
Raesfeldstraße 18
Die Raesfeldstraße beeindruckt nicht nur durch ihre großartige Ensemblewirkung, sondern auch
durch die Qualität der einzelnen Altbauten. Das Haus Nr. 18, gegen 1907 entstanden, präsentiert sich
als charakteristisches Beispiel der dreigeschossigen Ursprungsbebauung: Der Eingang in der Seitenachse, der
übergiebelte Fassadenerker und der Vorgarten mit der schönen, originalen Einfriedung sind typische
Merkmale der Wohnhäuser in der Raesfeldstraße. Hier wird sichtbar, dass viele der Gebäude trotz
ihrer gestalterischen Individualität das Resultat eines zeilenweise betriebenen Mietswohnungsbaus durch
mittelständische Bauunternehmer sind - auch die Häuser 18 bis 22 sind in diesem Zuge errichtet worden.
Auserlesene Details, wie die Profile der Fenstersprossen und der Fassadendekor in eigenwilligen Jugendstilformen,
heben das Haus Nr. 18 über die umgebende Bebauung noch hinaus.
Luftschutzbunker Lazarettstraße
Der Luftschutzbunker entstand 1941, ein Jahr nach den ersten Bombenangriffen auf Münster.
Auf drei Geschossen bot der Bau 530 Menschen Schutz. Der seit 1933 übliche, architektonische Neohistorismus
des 3. Reiches trieb im Bereich der Bunkerarchitektur die seltsamsten Blüten: Dieser mit Ziegel-Werkstein
umkleidete Betonbau ist mit Grabenanlage, Zugangsbrücke, Rundtürmen und wehrhaftem Gesamtcharakter
einer mittelalterlichen Festung nachempfunden und sucht sich damit der eng benachbarten Promenade als einstiger
Stadtbefestigung anzupassen. Gleichzeitig kaschierte und verharmloste der Bunker durch solchen Stil-Mummenschanz
seine eigentliche Zweckbestimmung und suggerierte dem zeitgenössischen Betrachter eine fragwürdige
Sicherheit. Unter diesem Aspekt ist er ein echter baulicher Zeuge des Systems, das ihn schuf.
Auszüge aus der Broschüre "Spaziergänge zu Baudenkmälern - Kreuzviertel" mit freundlicher Genehmigung der Herausgeberin:
Stadt Münster Text: Berthold Degenkolbe, Alfred Pohlmann; Januar 1991
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